Dr. med. Gerhard Siebenhüner im Interview: Darmgesundheit, Umweltmedizin, chronische Erkrankungen und Prävention – neue Erkenntnisse und Therapien

Zeolith WissenZeolith-NewsInterviewsDr. med. Gerhard Siebenhüner im Interview: Darmgesundheit, Umweltmedizin, chronische...

Warum chronische Erkrankungen, zu denen auch Long Covid und ME/CFS zählen, nur erfolgreich behandelt werden können, wenn wir den Menschen als biologisches Gesamtsystem betrachten

Wo er ist, ist die Medizin ganz vorne: Dr. med. Gerhard Siebenhüner, Facharzt für Allgemeinmedizin und zudem studierter Physiker und Mathematiker, zählt zu den wohl außergewöhnlichsten Ärzten Deutschlands. Der Leiter des „Zentrums der erweiterten Medizin“ in Frankfurt am Main verbindet seit mehr als vier Jahrzehnten moderne Schulmedizin mit interdisziplinären Erkenntnissen aus Immunologie, Stoffwechselmedizin, Präventionsmedizin und Umweltmedizin zu  konsequent individualisierten Behandlungskonzepten. Patienten aus ganz Europa, dem Nahen Osten, Afrika, Asien sowie sogar aus Australien und Neuseeland kommen zu ihm, wenn klassische Therapien an ihre Grenzen stoßen oder komplexe Erkrankungen einen ganz neuen medizinischen Blick erfordern. Dabei arbeitet er eng mit Kollegen der Goethe-Universität Frankfurt zusammen.

Der erfahrene Mediziner sieht chronische Erkrankungen als Ergebnis komplexer biologischer Zusammenhänge: Darmbarriere, Mikrobiom, Umweltgifte, Stoffwechsel, Immunsystem und Maßnahmen der Regenerationsmedizin gehören für ihn untrennbar zusammen. Aus dieser Denkweise heraus setzt er schon heute auf zukunftsweisende Konzepte und Therapieverfahren, die erst jetzt breiteren Eingang in das allgemeine wissenschaftliche Verständnis finden – von der Darmregeneration mit dem PMA-Zeolith von PANACEO über moderne Verfahren der therapeutischen Apherese bis hin zur von ihm selbst entwickelten extrakorporalen Hyperthermie-Perfusion (EHP), die (noch) einzigartig in Deutschland ist.

Im Gespräch mit ZEOLITH WISSEN erklärt Dr. Gerhard Siebenhüner, warum SIBO und chronische Darmerkrankungen heute nach wie vor massiv unterschätzt werden, weshalb Umweltbelastungen den Organismus oft über Jahre schleichend verändern, welche Möglichkeiten moderne Apheresen bei Long Covid, ME/CFS , Autoimmunerkrankungen, aber auch bei Krebs eröffnen – und weshalb Prävention und Longevity heute weit mehr sein muss als ein gesunder Lebensstil.

Dr. Gerhard Siebenhüner: Chronische Erkrankungen verstehen heißt, den Menschen als Ganzes zu betrachten

ZEOLITH WISSEN (ZW): „Herr Dr. Siebenhüner, Sie leiten das Zentrum der erweiterten Medizin in Frankfurt am Main und verfolgen seit vielen Jahren medizinische Ansätze, die sich deutlich von denen vieler klassischer Arztpraxen unterscheiden. Was macht Ihre Art, Medizin zu praktizieren, so besonders?“

Dr. Gerhard Siebenhüner (GS): „Ich entwickle Kenntnisse der Medizin konsequent weiter, indem ich schlicht unserer naturgemäßen Biologie folge. Deshalb interessiert mich in erster Linie gar nicht, wie wir Krankheiten ‘schon immer‘ behandelt haben, sondern was aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zusätzlich oder auch ganz neu möglich machen. Die klassische Medizin bildet zwar eine wichtige Grundlage, aber sie ist aus meiner Sicht nicht das Ende der Entwicklung. Leitlinien und Standards haben ihre Berechtigung und auch wir nutzen sie. Aber sie können immer nur den Durchschnitt abbilden.

Der einzelne Mensch ist jedoch niemals Durchschnitt. Jeder Patient bringt seine eigene Vorgeschichte, seine genetischen Voraussetzungen, den Grad von Umweltbelastungen, Stoffwechselbesonderheiten und seinen eigenen Lebensstil mit. Deshalb entstehen chronische Erkrankungen wie etwa Autoimmunerkrankungen oder Krebs nicht einfach durch eine einzige oder immer gleiche Ursache, sondern durch das Zusammenwirken vieler Faktoren. Genau deshalb beschäftige ich mich seit vielen Jahren mit einer konsequent individualisierten Medizin. Mich interessiert nicht nur, welche Diagnose ein Patient hat, sondern vor allem, warum genau dieser Mensch krank geworden ist. Erst wenn wir diese Zusammenhänge verstehen, können wir ein Therapiekonzept entwickeln, das wirklich zu ihm passt.

Hinzu kommt, dass unsere Welt heute deutlich komplexer geworden ist. Unser hektischer Lebensstil, Umweltgifte, chronische Entzündungen, Fehlernährung oder Störungen des Mikrobioms wirken häufig gleichzeitig auf den Organismus ein. Diese Zusammenhänge müssen wir berücksichtigen. Ich sehe den Menschen deshalb nicht als Summe einzelner Organe, sondern als biologisches Gesamtsystem. Genau daraus ist letztlich auch das Konzept unseres Zentrums der erweiterten Medizin entstanden.“

Ich behandle keine Diagnose – ich behandle immer einen Menschen.
Dr. med. Gerhard Siebenhüner, Zentrum der erweiterten Medizin
ZW: „Wenn Sie mal auf die vergangenen zwanzig, dreißig Jahre zurückblicken: Welche Umwelt- und Lebensstilfaktoren belasten die Gesundheit Ihrer Patienten heute am stärksten?“

GS: „Tatsächlich erleben wir heute eine völlig andere Belastungssituation als noch vor zwanzig oder gar dreißig Jahren. Zwar können wir viele Entwicklungen wissenschaftlich erst seit einigen Jahren genauer messen und so gar nicht genau sehen, wie es früher war; aber dennoch sehe ich in meiner täglichen Praxis ganz klar, dass Umweltbelastungen eine immer größere Rolle spielen. Dazu gehören verschiedenste Umweltgifte, etwa Pestizide, Schwermetalle, die belastete Luft, Schadstoffe in unserer Nahrung, aber auch chronischer Stress und vor allem Bewegungsmangel. Diese Faktoren wirken nicht einzeln, sondern gleichzeitig. Dadurch entstehen chronische Entzündungen und Regulationsstörungen, die den gesamten Organismus betreffen.

Besonders problematisch ist, dass diese Belastungen oft über viele Jahre unbemerkt bleiben, auch weil die Menschen trotz aller medialer Berichterstattung das Thema Umweltbelastungen noch nicht ernst genug nehmen. Der Körper kann zwar vieles kompensieren – irgendwann ist diese Fähigkeit jedoch erschöpft. Dann entstehen Beschwerden, die zunächst gar nicht mit ihrer eigentlichen Ursache in Verbindung gebracht werden, und es wird symptomorientiert behandelt. Das kann natürlich nicht lange gut gehen. Deshalb halte ich es für ganz wichtig, den Menschen nicht nur symptomorientiert zu therapieren, sondern gezielt nach den individuellen Belastungsfaktoren zu suchen. Nur so lassen sich chronische Erkrankungen langfristig erkennen, sinnvoll behandeln und oft auch rückgängig machen.“

ZW: „Chronische Darmerkrankungen, also das Reizdarmsyndrom oder der sogenannte Leaky Gut, Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder chronische Erschöpfung – immer mehr Menschen leiden unter Beschwerden, die ihren Ursprung, wie wir heute wissen, im Darm haben. Haben Sie den Eindruck, dass Erkrankungen des Darms, der Darmbarriere und des Mikrobioms in den vergangenen Jahren tatsächlich zugenommen haben?“
GS: „Ja, das ist ganz eindeutig so. Der Darm wird zwar heute viel häufiger thematisiert als noch vor einigen Jahren, aber aus meiner Sicht wird er immer noch nicht in seiner tatsächlichen Bedeutung verstanden. Alle reden ja inzwischen über das Mikrobiom. Das ist auch wichtig, aber das Mikrobiom ist eben auch nur ein Teil des gesamten Systems. Entscheidend sind aber weitere Parameter wie der Zustand der Darmschleimhaut, der Darmbarriere, der Verdauungsleistung, des pH-Werts, also des Zustands des Säure-Basen-Haushalts, vor allem auch im Dünndarm, also das gesamte Milieu, in dem diese Prozesse überhaupt stattfinden. Nur wenn all diese Faktoren zusammen funktionieren, kann der Darm seine Aufgaben richtig erfüllen. Deshalb beginne ich bei chronischen Erkrankungen zunächst mit einer sorgfältigen Analyse des Darms. Denn sehr oft liegt dort der Schlüssel, um die eigentlichen Ursachen einer Erkrankung zu verstehen.“
Der Darm ist die Wurzel unserer Gesundheit. Werden die Wurzeln krank, kann auch der Baum nicht gesund wachsen.
Dr. med. Gerhard Siebenhüner
ZW: „Ein Begriff, der derzeit immer häufiger fällt, ist SIBO – also die bakterielle Fehlbesiedlung des Dünndarms. Viele Menschen haben davon noch nie gehört. Was genau verbirgt sich dahinter?“

GS: „SIBO ist tatsächlich ein sehr gutes Beispiel dafür, wie komplex der Darm tatsächlich funktioniert und wie viele Informationslücken es noch gibt. Im Falle von SIBO handelt es sich um Bakterien, die eigentlich in den Dickdarm gehören, sich aber plötzlich im Dünndarm ansiedeln. Dort finden sie nämlich Bedingungen vor, die ihre Ausbreitung begünstigen, weil die Darmgesundheit bei diesen Patienten vorher eben generell aus dem Ruder gelaufen ist. Entscheidend sind unter anderem der bereits erwähnte pH-Wert und das gesamte Milieu im Darm.

Deshalb ist SIBO aus meiner Sicht meist gar nicht die eigentliche Ursache etwa für ein Reizdarmsyndrom, wie viele Mediziner heute meinen, sondern vielmehr die Folge einer gestörten Darmfunktion. Wenn man dann nur versucht, die Bakterien zu beseitigen, etwa mit Antibiotika, ohne die zugrunde liegenden Störungen zu behandeln, kehren die Beschwerden eben immer wieder zurück. Wir müssen also konsequent die Bedingungen verändern, unter denen diese Fehlbesiedlung überhaupt entstehen konnte. Genau deshalb gehört für mich immer der gesamte Darm in den Fokus – und nicht nur einzelne Bakterien aus dem Darmmikrobiom. Ich vergleiche den Darm gerne mit den Wurzeln eines Baumes. Die Wurzeln sieht man nicht – aber sie entscheiden darüber, ob der Baum gesund wächst oder langsam eingeht. Genauso ist es mit dem Darm. Funktioniert dieses Fundament nicht mehr richtig, geraten nach und nach viele andere Systeme des Körpers aus dem Gleichgewicht.“

ZW: „Die Wissenschaft spricht heute von einer engen Verbindung zwischen Darm, Immunsystem und chronischen Erkrankungen wie Diabetes oder auch Krebs, den man ja mittlerweile auch als chronische Krankheit bezeichnet, weil jeder zweite Deutsche, so die aktuelle Lehrmeinung, heute einmal im Leben eine Krebsdiagnose erhält oder erhalten wird. Teilen Sie diese Einschätzung?“

GS: „Ja, unbedingt. Das ist eine der wichtigsten Erkenntnisse der modernen Medizin. Der Darm ist ein hochaktives Regulationszentrum, das letztlich mit allen Organen verbunden ist. Deshalb sind chronische Erkrankungen, also auch Krebs, nicht isolierte Probleme einzelner Organe.

Viele Beschwerden und Erkrankungen, die zunächst gar nicht mit dem Darm in Verbindung gebracht werden, haben just dort zumindest einen Gutteil ihrer Ursache. Die gründliche Analyse des Darmzustandes ist deshalb Grundlagendiagnostik bzw. sollte es sein. Denn nur wenn wir die biologischen Grundlagen wieder stabilisieren, können die weiteren therapeutischen Maßnahmen ihre volle Wirkung entfalten. Der Darm ist kein Nebenschauplatz der Medizin, sondern er gehört zu den wichtigsten Fundamenten.“

ZW: „Sie vertreten – ähnlich wie der renommierte Zeolith-Forscher Prof. Karl Hecht zu seiner Zeit – die Auffassung, dass die regelmäßige Entlastung und Entgiftung des Darms heute zu den wichtigsten Grundlagen der Prävention und der begleitenden Therapie chronischer Erkrankungen gehört. Sie setzen deshalb seit vielen Jahren auch den PMA-Zeolith von PANACEO bei Ihren Patienten ein. Welche Rolle spielt er in Ihrem Therapiekonzept?“

GS: „Der PMA-Zeolith ist für mich ein eigenständiger Wirkstoff und ein zunehmend wichtiger Baustein innerhalb eines ganzheitlichen Therapiekonzepts. Ich setze ihn vor allem dann ein, wenn ich den Darm entlasten, die Darmbarriere unterstützen und den Organismus von belastenden Stoffen befreien möchte. Wir wissen heute, dass die meisten Menschen dauerhaft Umweltbelastungen ausgesetzt sind – seien es eben die Schwermetalle, Toxine oder krebserregende Pestizide. Was wir übrigens nicht vergessen dürfen: Durch die heute hohen Belastungen unseres Körpers produziert der Darm selbst auch mehr Ammonium, das ist eine Form des giftigen Ammoniak. Dieses Stoffwechsel-Gift, das bei der Verdauung von Eiweißen entsteht, lässt sich mit dem PMA-Zeolith effektiv ausleiten.

Zudem spielt der Darm als größte Kontaktfläche unseres Körpers zu seiner inneren Umwelt eine zentrale Rolle für das Immunsystem und die Regulation vieler biologischer Prozesse. Deshalb halte ich es für sinnvoll, zunächst die biologischen Grundlagen zu stabilisieren. Das geht im Alltag wunderbar mit dem PMA-Zeolith, das haben die PANACEO-Studien ja belegt. Er entlastet den Darm, schützt die Leber und die Nieren vor Überlastung und schafft die Voraussetzungen dafür, dass sich die natürlichen Regulationsmechanismen des Körpers wieder besser entfalten können. Genau darin sehe ich seinen besonderen Stellenwert. Ich setze diesen Zeolith deshalb auch bei vielen chronischen Erkrankungen begleitend ein – immer eingebettet in ein individuell abgestimmtes Gesamtkonzept. Denn auch hier gilt: Nicht ein einzelnes Präparat entscheidet über den Therapieerfolg, sondern das Zusammenspiel aller Maßnahmen.“

Mein Ziel ist nicht, die Arbeit des Körpers dauerhaft zu übernehmen. Mein Ziel ist, dass der Körper sie wieder selbst leisten kann.
Dr. med. Gerhard Siebenhüner
ZW: „Der PMA-Zeolith bildet für Sie also eine wichtige Grundlage moderner Präventions- und Darmmedizin. Doch gerade bei schweren chronischen Erkrankungen – etwa Long Covid, ME/CFS oder ausgeprägten Autoimmunerkrankungen – reichen solche Basismaßnahmen allein oft nicht mehr aus. In Ihrer Praxis setzen Sie deshalb seit vielen Jahren auf verschiedene Formen der sogenannten Apherese. Was verbirgt sich dahinter?“

GS: „Vereinfacht gesagt handelt es sich bei den verschiedenen Arten der Apherese um Blutreinigungsverfahren. Das Blut wird aus einer Vene heraus außerhalb des Körpers über spezielle Filtersysteme geleitet, um ganz gezielt krankheitsrelevante Substanzen zu entfernen. Dazu können beispielsweise entzündungsfördernde Botenstoffe, Autoantikörper, Stoffwechselprodukte oder – je nach Verfahren – auch andere belastende Substanzen gehören. Man kann sich das tatsächlich ein wenig wie eine Dialyse vorstellen. Allerdings geht es hier nicht um die Nierenfunktion, sondern darum, bestimmte krankheitsrelevante Stoffe möglichst gezielt aus dem Blut zu entfernen und dadurch den Organismus zu entlasten. Der Vorteil ist: Apheresen sind sehr effektiv und müssen natürlich nicht wie bei der Dialyse ständig durchgeführt werden.

Heute stehen uns verschiedene Apherese-Verfahren zur Verfügung und es gibt tausende Studien dazu. Welches wir einsetzen, hängt immer von der jeweiligen Erkrankung und der individuellen Situation des Patienten ab. Deshalb gibt es nicht die eine Apherese, sondern unterschiedliche Verfahren mit unterschiedlichen Schwerpunkten.“

ZW: „Wo liegen die Unterschiede dieser Apheresen und wie entscheiden Sie, welches Verfahren für einen Patienten geeignet ist?“

GS: „Je nach Erkrankung verfolgen wir mit den verschiedenen Verfahren unterschiedliche Ziele. Manche konzentrieren sich vor allem auf die Entfernung von Blutfetten, andere auf Autoantikörper oder entzündungsfördernde Stoffe. Deshalb muss immer zunächst die Frage beantwortet werden: Welche Belastung steht bei diesem Patienten im Vordergrund? Genau darin liegt aus meiner Sicht der entscheidende Punkt. Ich behandle keine Krankheit nach Schema F, sondern kläre zunächst ab, welche krankheitsrelevanten Mechanismen im Einzelfall die zentrale Rolle spielen. Erst danach entscheide ich, welches Verfahren den größten Nutzen haben kann. Wir verfügen unter anderem über die Plasmapherese, die Immunadsorptions-Apherese und auch die Doppelfiltrations-Plasmapherese. Letztere sind vor allem für Patienten mit Autoimmunerkrankungen geeignet, deren Zahl ja leider auch immer größer wird.

In den vergangenen Jahren hat sich die Apheresen-Technik enorm weiterentwickelt. Moderne Filtersysteme, sogenannte Adsorber, arbeiten heute wesentlich selektiver und effizienter als noch vor einigen Jahren. Dadurch lassen sich bestimmte Belastungen deutlich gezielter reduzieren. Das eröffnet uns therapeutische Möglichkeiten, die wir früher in dieser Form nicht hatten.“

ZW: „Viele unserer Leser werden jetzt wahrscheinlich denken: Das klingt nach einer sehr aufwendigen, technischen Behandlung. Wie muss man sich eine therapeutische Apherese eigentlich vorstellen? Und vor allem: Tut das weh?“
GS: „Nein, überhaupt nicht, eine Apherese verursacht in der Regel keine Schmerzen. Und so komplex die Technik ist, so unkompliziert ist die Behandlung für die Patienten selbst. Im Grunde kann man sie sich ähnlich wie eine längere Infusion vorstellen. Über einen venösen Zugang wird das Blut außerhalb des Körpers durch das jeweilige Filtersystem geleitet, gereinigt und anschließend wieder zurückgeführt. Die Behandlung selbst verläuft bei uns in ruhiger Atmosphäre. Die meisten Patienten lesen währenddessen, hören Musik oder unterhalten sich. Manche schlafen auch. Entscheidend ist nur, für jeden Patienten das am besten geeignete Verfahren auszuwählen und es in das jeweilige individuelle Therapiekonzept einzubetten.“
Moderne Apherese-Systeme können bestimmte Aufgaben tausendfach effizienter übernehmen als der Organismus selbst – genau dafür wurden sie entwickelt.
Dr. med. Gerhard Siebenhüner
ZW: „Sie sagen, dass Sie die Apheresen nicht nur bei Autoimmunerkrankungen, Multipler Sklerose oder Krebs, sondern auch bei Long-Covid und ME/CFS einsetzen und sehr gute Erfolge damit haben. Können Sie uns dafür ein Beispiel aus Ihrer Praxis nennen?“

GS: „Ja, sehr viele. Aber hier ein klassisches Beispiel, weil die Patientin gerade gestern zum Check-up bei mir war. Diese Patientin litt nach einer COVID-19-Infektion über Jahre an Long-Covid und hier vor allem an einem ausgeprägten Fatigue-Syndrom. Schon kleine alltägliche Dinge wurden für sie zur Belastung. An eine Rückkehr in den Beruf oder ein normales Familienleben war nicht mehr zu denken, was natürlich besonders schlimm ist, wenn man kleine Kinder hat. Bei ihr führten wir drei therapeutische Apheresen durch und kombinierten diese mit einem individuell abgestimmten Behandlungskonzept.

Dazu gehörten unter anderem Mikronährstoffe sowie der PMA-Zeolith für zu Hause, um den Darm zu unterstützen und den Organismus zusätzlich zu entlasten. Binnen drei Wochen konnte die Patientin Schritt für Schritt zurück in den Alltag zurückkehren. Heute kann sie wieder arbeiten, sich um ihre Kinder kümmern und – was mindestens genauso wichtig ist – sie hat ihre Lebensfreude zurückgewonnen. Die quälende Angst, die die meisten dieser Patienten erleben, ist verschwunden. Und genau darum geht es letztlich. Nicht nur Laborwerte zu verbessern, sondern Menschen wieder ein Stück Lebensqualität zurückzugeben. Diese Patientin sagt: ‚Endlich habe ich mein Leben zurück‘.“

ZW: „Ich bin neugierig: Neben den therapeutischen Apheresen haben Sie mit der ‚Extrakorporalen Hyperthermie-Perfusion‘, kurz EHP, sogar ein eigenes Verfahren entwickelt. Was kann diese Therapie mit diesem etwas sperrigen Namen?“

GS: „Ja, der Name klingt tatsächlich etwas kompliziert, weil diese Methode mehrere Komponenten vereint, aber das Prinzip ist letztlich leicht zu verstehen. Bei der EHP wird das Blut ebenfalls außerhalb des Körpers über einen speziellen Kreislauf geleitet. Dort wird es zunächst gereinigt, anschließend kontrolliert erwärmt und gleichzeitig mit medizinischem Sauerstoff angereichert, bevor es wieder in den Körper zurückfließt. Wir kombinieren also drei therapeutische Verfahren in einer einzigen Behandlung. Die Blutreinigung hilft dabei, entzündungsfördernde Stoffe, Toxine, Schwermetalle oder andere belastende Substanzen aus dem Blut zu entfernen. Die kontrollierte Erwärmung – die Hyperthermie – kann natürliche Abwehr- und Regenerationsprozesse des Körpers aktivieren. Gleichzeitig verbessert die zusätzliche Sauerstoffversorgung die Versorgung des Gewebes. Genau diese Kombination macht die EHP so besonders.

Entwickelt haben wir das Verfahren ursprünglich vor allem für Patienten mit komplexen Krebserkrankungen. Heute setzen wir die EHP aber auch bei verschiedenen schweren chronischen Erkrankungen ein. Trotzdem gilt auch hier: Nicht das Verfahren allein entscheidet über den Erfolg. Entscheidend ist immer, den richtigen Patienten zum richtigen Zeitpunkt mit der passenden Therapie zu behandeln und diese in ein individuelles Gesamtkonzept einzubetten. In solchen intelligent kombinierten Therapieverfahren sehe ich die Zukunft der modernen Medizin.“

ZW: „Sie sind seit vielen Jahren auch auf die Behandlung von Krebs spezialisiert. Die Zahl der Krebserkrankungen steigt weltweit kontinuierlich an. Immer mehr Studien zeigen, dass auch Krebs eine systemische biologische Erkrankung ist, die mit Umweltbelastungen, chronische Entzündungen und Stoffwechselstörungen einhergeht. Hat sich auch Ihr Blick auf Krebs in den vergangenen Jahren verändert?“
GS: „Ja, durchaus. Auch Krebserkrankungen entstehen nicht durch eine einzige Ursache. Aber wir wissen heute sehr viel mehr über die Bedeutung des Lebensstils, chronischer Entzündungen, des oxidativen Stresses, der Relevanz eines intakten Immunsystems und verschiedener Umweltfaktoren als noch vor wenigen Jahren. Deshalb beschränke ich mich nicht allein auf die Behandlung eines Tumors oder von Metastasen, sondern wir arbeiten immer parallel an den Grundlagen, die zu dieser Erkrankung geführt haben. Mich interessiert immer auch die Frage, in welchem Zustand sich der gesamte Organismus biologisch befindet. Wie arbeitet das Immunsystem? Gibt es chronische Entzündungen? Was macht der Säure-Basen-Haushalt, wie agieren die Mitochondrien, also die Kraftwerke der Zellen? Welche Belastungen liegen im Darm vor? Wo können wir die körpereigenen Regulationsmechanismen unterstützen?“
Prävention beginnt nicht erst beim ersten Krankheitssymptom. Sie beginnt viele Jahre vorher – im Darm, im Stoffwechsel und in unserem täglichen Lebensstil.
Dr. med. Gerhard Siebenhüner
ZW: „Stellen Sie sich vor, Sie hätten fünf Minuten Redezeit bei einem großen Fernsehsender: Welchen Rat würden Sie den Zuschauern mit Blick auf Prävention, Healthy Aging und Longevity heute geben? Was kann jeder von uns, natürlich möglichst früh, machen?“

GS: „Ich würde zunächst mal klarmachen, dass Prävention heute schlicht ein ‚Muss‘ ist, und zwar schon bei Kindern und Jugendlichen, deren Körper ja noch im Wachsen begriffen und viel empfindsamer sind als die der Erwachsenen. Wir müssen auf unsere Körper und auch auf unseren Geist achten, denn zum Beispiel diese stundenlange Handy-Guckerei ist, wissenschaftlich längst erwiesen, krankmachend, auch wegen der andauernden elektromagnetischen Strahlung. Was meinen Sie, weshalb wir heute so viel Depressive haben, gerade bei Jugendlichen? Das sind nicht nur die Folgen der Corona-Zeit, wie viele meinen. Und zu unseren Kindern: Schicken Sie sie zum Spielen raus und lassen Sie sie nicht nur am Handy oder am Computer veröden.

Doch ganz generell: ‚Entlastung‘ und ‚Regulation‘ sind die Grundprinzipien schlechthin, nach den jeder von uns im Alltag präventiv handeln sollte. Dazu gehören ausreichend Bewegung, eine so weit wie möglich natürliche Ernährung, guter Schlaf und ein bewusster Umgang mit Stress. Genauso wichtig ist es aber, den Darm gesund zu halten. Der Darm und sein Zustand sind für mich eines der wichtigsten Fundamente unserer Gesundheit.

Lassen Sie deshalb Ihren Darm untersuchen und auf Toxine prüfen und machen Sie einen Mikrobiom-Status. Achten Sie zudem auf Ihren Vitamin-D-Status, denn es wirkt wie ein Hormon und ist an etlichen biologischen Prozessen beteiligt. Und ein guter Tipp ist natürlich der PMA-Zeolith, der ja mittlerweile auch eine hervorragende Studienlage hat. Er ist, wie man es heute so nennt, ein richtig schönes Biohacking-Tool, das man ganz einfach in seine tägliche Routine einbauen kann.“

ZW: „Herr Dr. Siebenhüner, wir danken Ihnen für dieses sehr informative Gespräch.“

Dr. med. Gerhard Siebenhüner

Dr.med. Gerhard Siebenhüner - Frankfurt am Main

Dr. med. Gerhard Siebenhüner gehört zu den wenigen Ärzten in Deutschland, die moderne Schulmedizin konsequent mit Erkenntnissen aus Biologie, Physik, Immunologie, Stoffwechsel-, Umwelt- und Präventionsmedizin zu systemischen Behandlungskonzepten verbinden.

Seit mehr als 40 Jahren leitet er das Zentrum der erweiterten Medizin in Frankfurt am Main. Zu seinen Schwerpunkten gehören unter anderem chronische Erkrankungen, integrative Onkologie, Präventionsmedizin, therapeutische Apheresen sowie die von ihm entwickelte Extrakorporale Hyperthermie-Perfusion (EHP). Patienten aus ganz Deutschland und vielen Ländern der Welt suchen seine Praxis auf, wenn komplexe Erkrankungen einen interdisziplinären, personalisierten und ursachenorientierten medizinischen Ansatz erfordern.

Grundlage seiner erfolgreichen Arbeit sind zunächst umfassende Gespräche mit den Patienten (und Angehörigen) sowie eine exakte Diagnostik, um Ursachen und Verläufe der jeweiligen Erkrankung(en) bis zum aktuellen Zeitpunkt zu analysieren und zu verstehen. Auf diesem Fundament entwickeln Dr. Siebenhüner und sein interdisziplinäres Team individuelle und maßgeschneiderte Behandlungskonzepte, die in dieser Form teils weltweit einzigartig sind.

Kontakt:

Zentrum der erweiterten Medizin
Vilbeler Landstraße 45 B
60388 Frankfurt am Main
Telefon: +49-(0)69-63 20 00

Mail: info@erweiterte-medizin.de
Web: www.erweiterte-medizin.de

Mehr zur Extrakorporalen Hyperthermie-Perfusion (EHP):

https://www.ehp-therapie.de

Das könnte Sie auch interessieren

Mikrobiom-Forschung - Nature-Studie - Bakterien - Darm

Mikrobiom-Forschung schreitet voran: Warum Wissenschaftler nicht mehr nur einzelne Darmbakterien untersuchen

Neue Nature-Studie zeigt: Entscheidend ist nicht nur, welche Bakterien im Darm leben, sondern vor allem das biologische Milieu  - genau hier setzt auch der...
Zeolith und Katzenklo

Die ewige Diskussion um Zeolith: Und täglich grüßt das Katzenklo

Warum Zeolith nicht nur als Katzenstreu am besten geeignet ist, sondern grenzübergreifende Funktionen besitzt Wohl jeder, der sich im deutschsprachigen Raum mit dem Thema Zeolith...
Neue Studie der Uni Jena zeigt, warum das Immunsystem im Alter die Kontrolle über den Darm verliert

Neue Studie der Uni Jena zeigt, warum das Immunsystem im Alter die Kontrolle über den Darm verliert

Gut zu wissen: Wie der PMA-Zeolith die Darmbarriere und damit das Immunsystem im Rahmen moderner Longevity-Strategien unterstützen kann Eine vielbeachtete neue Studie des Leibniz-Instituts für...